Altschweiz 1843–1854

Die Sammlung «Ticino»

 

«Ich bin nicht leicht zu beeindrucken. In vier Jahrzehnten Tätigkeit als Auktionator bekommt man schliesslich mancherlei Atemberaubendes zu Gesicht. Diese Sammlung aber enthält Vieles, das ich noch nie gesehen habe. Ja sogar Einiges, von dem ich kaum glaubte, dass es noch existiert. Dies ist ein historisches Ereignis für die gesamte Philatelie. Und «Ticino» ist ein Name, den man noch in Jahrzehnten zitieren wird.»

 

Mit Stolz und besonderer Freude durften wir an der Rapp-Auktion 2010 die bedeutendste, wertvollste und schönste Altschweiz-Sammlung, die seit Jahrzehnten auf dem Auktionsmarkt war, vorstellen: Die Sammlung «Ticino».

 

Das Auktionshaus Rapp hat bereits zahlreiche herausragende Schweiz-Sammlungen versteigert, als wir aber vom Eigentümer eingeladen wurden, die Sammlung «Ticino» zu begutachten, wurden selbst unsere kühnsten Erwartungen übertroffen.

 

Die Sammlung «Ticino» überzeugte mit einer unglaublichen Fülle an Welt-Raritäten auf Briefen, grossartige Frankaturen und Markeneinheiten, darunter selbst in der Literatur als verschollen geltende Stücke. Die vielen herausragenden Briefe und Marken dieser Sammlung präsentierten sich in vorzüglicher Qualität und waren seit Jahrzehnten nicht mehr – oder noch nie zuvor – auf dem Markt. Selbst den meisten Kennern der Altschweiz-Philatelie war die Existenz dieser grossartigen Sammlung völlig unbekannt.

 

 

Ergebnis: ca. 4,5 Mio. Schweizer Franken

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Highlights aus der Sammlung «Ticino»

 

 

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Waagrechtes Paar von den Bogenpositionen 28-29, allseitig breit geschnitten mit weissen Rändern und bestens geprägten Reliefs, zusammen mit Rayon I hellblau vom Druckstein B3 auf Briefausschnitt mit rückseitigem roten Zweikreisstempel LUZERN 12 DEC 51. Die drei Bundesrauten sind sehr sauber ausgeprägt und übergehend auf Marken und Briefstück. Das Porto von 10 Rappen würde der ersten Gewichtsstufe für die Strecke Basel – Luzern und deren Umgebung entsprechen.

 

Max Hertsch erwähnt in seinem Attest von 1964 die ausgezeichnete Qualität der Marken. Eine minime Randschürfung erwies sich als natürlichen Ursprungs und stellt keinen Mangel dar. Die Herkunft dieser einzigartigen Mischfrankatur lässt sich bis 1910 zurückverfolgen. Die Firma Ernst Zumstein offerierte diesen Briefausschnitt als erste bekannte Mischfrankatur zwischen Kantonalmarken und Bundesmarken! Ein sicherer Nachweis einer richtigen Verwendung kann bei Briefausschnitten logischerweise nicht gewährt werden.

 

Alle aufgeführten Fakten und Gutachten Hertsch sowie Eichele und Marchand bestätigen die korrekte Frankatur und die sehr gute Erhaltung der Marken. Provenienz: Iwan Bally. Kat.-Nr. 8+17 I

 

Schätzung 100'000.– bis 120'000.–

Verkaufspreis: CHF 156'000.– (inkl. Aufgeld ohne MWST)

Drei einzelne Exemplare, alle sehr frisch und breitrandig geschnitten, zusammen auf vollständigem Faltbriefchen von Genf nach Bulle im Kanton Freiburg. Die Marken sind mit sehr sauber aufgesetzten blauen Bundesrauten entwertet, unterhalb ist der blaue Aufgabestempel GENEVE 14 OCTO (kopfstehend) 52. Vereinzelte Buchstaben im Adressfeld (franco, Canton) sind leicht nachgezeichnet worden. Das Porto von 15 Cents entspricht dem Tarif ab 1. Januar 1852 für Briefe in den 3. Briefkreis, zu denen die Distanz Genf – Bulle gehörte.

 

Diese einmalige Frankatur zählt zu den absoluten Spitzen in der Altschweiz-Philatelie. Der Brief ist vielfach in der Literatur erwähnt, seit der Caspary-Auktion 1956 galt der Brief als verschollen und taucht erstmals wieder nach über 50 Jahren auf! Attest Eichele/Marchand. Kat.-Nr. 11

 

Schätzung 150'000.– bis 200'000.–

Verkaufspreis: CHF 348'000.– (inkl. Aufgeld ohne MWST)

Waagrechtes Paar aus den Bogenpositionen 77-78, allseitig sehr breite Ränder mit mehreren sichtbaren Schnittlinien, ungewöhnlich frische Farben und mit zentrisch aufgesetzter bzw. übergehender Rosette sehr sauber auf vollständigem Faltbrief nach Cointrin mit Aufgabestempel GENEVE 16 DEC 49. Das Porto für einen Brief im Kanton oder 1. Postkreis betrug 7 Cent. Private frankierten mit 2 Marken und verloren daher 1 Cent als Porto.

 

Es sind lediglich 4 Briefe mit Paaren einer Waadt 4 bekannt. Mit Abstand der schönste der 4 registrierten Briefe und eine Schweiz-Rarität ersten Ranges! Atteste Zumstein (1950) und Eichele/Marchand. Provenienz: Seybold, Courvoisier, Lichtenstein, Dr. Leemann. SBK 420'000.–. Kat.-Nr. 9

 

Schätzung 150'000.– bis 200'000.–

Verkaufspreis: CHF 342'000.– (inkl. Aufgeld ohne MWST)

Doppelgenf, zwei linke Hälften senkrecht geschnitten mit zentrisch aufgesetzter Rosette auf Faltbrief mit Aufgabestempel GENEVE 12 SEPT 44 nach Eaux-Vives. Die Marke ist aussergewöhnlich frisch, allseitig breit geschnitten und von erlesener Qualität.

 

Laut Forschung von Toni Abele existieren 5 Paare mit dieser Doppelgenf-Kombination: Der vorliegende Brief ist mit Abstand das besterhaltene Exemplar und zugleich einer der bedeutesten Schweiz-Briefe überhaupt. Provenienz: A. de Reuterskiöld, Alfred Lichtenstein und Dr. Leemann. Atteste Briefmarken-Prüfstelle Basel (1938) und Eichele/Marchand. SBK 450'000.–. Kat.-Nr. 3/vs

 

Schätzung 150'000.– bis 200'000.–

Verkaufspreis: CHF 324'000.– (inkl. Aufgeld ohne MWST)

Zürich 4 Rappen der Type II und senkrecht halbierte Zürich 4 Rappen der Type IV, zusammen auf vollständigem und prachtvollem Kantonsbrief mit Aufgabestempel ZÜRICH 25 SEPT 1849 an das Gemeindeammannamt in Wettschweil.

 

Von dieser äusserst seltenen Aufbruchfrankatur zu 6 Rappen, kurz vor Einführung der eidgenössischen Tarife am 1. Oktober 1849, sind nur 3 Belege bekannt. Der vorliegende Brief ist die einzige Frankatur, bei welcher die Rosette über die ganze und halbierte Marke geht. Auch bezüglich Qualität und Schönheit übertrifft sie die beiden anderen Briefe bei Weitem.

 

Die vorliegenden Atteste Cueni (1947) und Eichele/Marchand (2009) bestätigen die fehlerfreie und ausgezeichnete Erhaltung der Marken und Frankatur. Ordnungshalber erwähnen wir bei der ganzen Zürich 4 Rp. oberhalb des «R» von ZÜRICH eine kleine, unbedeutende Papierkerbe. Eine der grössten Frankatur-Seltenheiten der Schweiz mit erstklassigen Provenienz wie Seybold, Lichtenstein, Dr. Leemann. Kat.-Nr. 1 W SFa

 

Schätzung 100'000.– bis 150'000.–

Verkaufspreis: CHF 216'000.– (inkl. Aufgeld ohne MWST)